Schwarzauer Gippel. Eine Überschreitung.

Der Plan war, über den Preinecksattel und die Gippelmauer zum Gippel auf – und über den Treibsteig wieder abzusteigen. Dazu kam es nicht (aber dazu später). Stattdessen absolvierte ich unabsichtlich eine wahre Überschreitung des Schwarzauer Gippels. Die Tour, wie ich sie hier vorstelle ist (empfehlenswert zwischen Juni und Oktober) aber dennoch sehr schön und daher möchte ich sie den Lesern nicht vorenthalten. Aber Achtung: man braucht dazu einen Chauffeur!

Also: man parke sein Auto im Weißenbachtal beim Gehöft Zögernitz (St. Aegyd am Neuwalde, Weißenbach 77). Von dort geht es der Asphaltstraße entlang, bis sie beim übernächsten Gehöft endet und in einen Forstweg mündet. Man folgt der blauen Markierung und schon bald geht es – sehr, sehr direkt – zum Preinecksattel. Diesen hat man nach rund 1,5 bis 2 Stunden und 600 Höhenmetern erreicht. Eine Rast empfiehlt sich sehr, denn es warten noch rund 400 Höhenmeter bis zum Scharzauer Gippel. Sind diese 400 Höhenmeter schon im Sommer recht selektiv, weil steil, so haben sie sich letztens als nahezu extreme Herausforderung dargestellt. Denn es lag – unerwarteter Weise – noch recht viel Schnee überall dort, wo der Untergrund nicht aus Felsen bestand.

Der schmale, steile Pfad hoch zum Gipfel war daher streckenweise nur zu erahnen und ich war gezwungen, besonders steile und harte Schneebretter im warmen Fels (Schroffengelände) zu umklettern (Schwierigkeitsgrad I). Dort, wo der Schnee schon nass genug war, um gut spuren zu können, tat ich dies auch. Mit dem Ergebnis, dass die Schuhe bereits zur Hälfte der Tour vollständig durchnässt waren. Schweißfüsse konnte ich damit keine bekommen 🙂

Nach einer gefühlten Ewigkeit in Eis und Schnee – dafür aber bei strahlendem Sonnenschein und wohliger Frühlingswärme – erreichte ich schließlich den Gipfel des Schwarzauer Gippels. Dieser besitzt zwar kein Gipfelkreuz, dafür aber beste Aussicht! Und der schönste – und im Sommer auch einfach zu begehende – Teil der Tour kommt erst noch: die Querung der Gippelmauer. Auch hier machte mich der Schnee extrem langsam, aber immerhin ist hier der Weg ungefährlich und leicht auffindbar: immer durch die Latschen. Entlang des Abbruchs der Gippelmauer wandert man so bei bester Aussicht dem Grat entlang, bis man das Gippeltörl erreicht. Von dort wäre es möglich, in rund 30 Minuten (ohne Schneelage) den Gipfel des Gippels zu erklimmen. Dieser hätte auch ein Gipfelkreuz und sicher auch eine feine Aussicht, aber da ich bis zum Törl schon so lange gebraucht hatte, wie ich für die gesamte Tour veranschlagt hatte, entschied ich mich, für den Gippel im Frühsommer nochmal zu kommen und ihn diesmal auszulassen.

Die Idee war nun, über den Treibsteig zurück zum Ausgangspunkt zu gelangen. Die Schneelage machte das aber zu einem zu gefährlichen Vorhaben. Daher entschied ich mich für einen Abstieg nach Preintal. Vorteil: ungefährlich und bequem. Nachteil: Preintal liegt auf der anderen, flachen Seite des Gippel-Bergstocks.

Über die Gippelalm geht es über einen Forstweg – eigentlich wenig sexy – dahin bis zum Gescheidl. Hier trifft man auf den allseits beliebten Mariazeller Wallfahrtsweg, dem man bis ins Preintal folgt. Nach der Gscheidlhöhe geht es dabei nochmal steil bergab – vorbei an zahlreichen Wallfahrer-Schildchen, die hier angebracht werden, da es sich um einen der „selektivsten“ Teile des Wallfahrerweges handelt.

Schließlich erreicht man das Preintal und damit ist die Tour zu Ende. Außer man hat – so wie ich – das Auto in St. Aegyd am Neuwalde geparkt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Fazit: Die Tour war zwar anders und von der Wegführung her sinnvoller geplant, aber sie ist auch so wirklich wunderschön. Bei Schneelage nur für geübte, trittsichere und auch der einen oder anderen leichten Kletterei nicht abgeneigten Wanderer!

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