Schneealpen-Überschreitung

Print Friendly, PDF & Email

35,5 Kilometer und rund 1.680 positive Höhenmeter in zwei Tagen – das ist eine von vielen Möglichkeiten, die Schneealpe zu überschreiten. Wobei: eigentlich wollten wir eine Runde gehen, jedoch war dies aufgrund eines sehr heiklen Schneefeldes in der Mitte unserer Tour nicht möglich. Also wurde es eine sehr schöne Überschreitung. Aber alles der Reihe nach:

Wir starten in Frein an der Mürz, von wo ein Wanderweg steil durch Wald zur schönen Hinteralm führt. Obwohl schon Mitte Juni, sind aufgrund des langen Winters noch keine Kühe auf der Alm. Dafür dürfen wir hier bereits das erste Schneefeld bewundern und uns danach bei der Ochsenhalterhütte mit einem Radler erfrischen.

Unser nächstes Ziel: das kleine Waxenegg und die Donnerwand. Vorbei am Spielkogel geht es auf einer Forststraße bis zu einer kleinen Jagdhütte, wo der unmarkierte Steig über das Kleine Waxenegg zur Donnerwand führt. Dabei beginnt am Gipfel des Kleinen Waxeneggs eine Latschen-Fläche, die im Wesentlichen bis zur Donnerwand führt. Vergehen kann man sich nicht, denn in die Latschen ist ein kleiner Pfad ausgeschnitten, dem man einfach sehr hübsch folgt.

Geplant ist, vom Donnerkogel gemütlich auf den Großboden abzusteigen. Jedoch dann die herbe Enttäuschung: auf ca. 20 Meter verlässt der Pfad die Latschenfläche und führt ein kleines, etwas ausgesetztes Felsband entlang. Es handelt sich um eine kleine Kletterstelle im I. Grad. An sich keine Problem. Ein Mitglied unserer Gruppe erstarrt dennoch vor Angst und wir entscheiden uns, wieder über das Kleine Waxenegg zur Jagdhütte abzusteigen und dem offiziellen Weg zum Schneealpenhaus zu folgen. Auf die Art und Weise machen wir an diesem Tag rund 400 Höhenmeter zusätzlich, was aber nicht wirklich etwas ausmacht. Denn erstens sollen sich alle in der Gruppe wohlfühlen und zweitens ist die Landschaft auch am Normalweg sehr schön.

So passieren wir die Bodenalm und gelangen schließlich auch zur Großbodenalm, wo wir auf unseren „Wunschweg“ treffen. Alles sehr problemlos, aber doch anstrengend. Anstrengend geht es nun auch im letzten großen Aufschwung des Tages auf den Gläserkogel und weiter durch schöne, enge Almandschaft in Richtung Karleck. Meine Uhr begann hier leider leer zu werden und daher sieht man am GPS-Track nur 2 gerade Linien. Wir sind aber dennoch natürlich den markierten Wegen gefolgt.

Am Weg eine weitere Überraschung, die viel Zeit kostet: ein massives, sehr heikles, steiles Schneebrett, das mit einem weiteren Schneebrett am Verbindungshang verbunden ist, wobei zweiters bereits kurz vor dem Abgehen ist. Eine schwierige Entscheidung ist – nach einem mittlerweile zwar sonnigen, aussichtsreichen und schönen, aber eben auch langen und anstrengenden Tag – zu treffen. Drübergehen und in Kürze das Ziel erreichen, oder umkehren und auf der Bodenalm Notbiwakieren. Ich wage es, spure vor und alles geht gut. Einzeln lasse ich nun die Mitwanderer nachkommen. Alles hält!

Schon bald öffnet sich der Kessel des Windbergs und die Ebene der Schneealpe und wir erreichen spät, aber glücklich unser Ziel, das Schneealpenhaus. Hier gönnen wir uns ein famoses Wildragout vom Hirsch und ein paar Zirbenschnäpse, bevor wir müde ins Bett fallen.

Beim Frühstück zeigt ein Blick auf die Karte, dass es keinen Weg zurück gibt, der nicht über das beschriebene Schneefeld führt. Der Entschluss wird schnell gefasst: diese Wanderung wird keine Runde, sondern eine Überschreitung. Auch fein.

Wir starten den Tag mit einem Gipfelsieg am Windberg und folgen von hier weg dem Weg der Sonne in umgekehrter Richtung nach Hinternaßwald. Vom Windberg geht es also zum Lurgbauer, wo wir uns eine leckere Bergkäsesuppe kredenzen lassen. Über zwei ungefährliche Schneefelder folgen wir dem Weg nun zum Ochsenboden und weiter – sehr aussichtsreich – zur Karlalm.

Nach einer Rast geht es weiter – zwischenzeitlich über einen Forstweg, meist aber über schöne, steile Waldpfade – nach Hinternaßwald, wo unser herbeigerufenes „Taxi“ wartet und uns zurück nach Frein bringt.

Fazit: Diese Wanderung zeigt sowohl die sehr lieblichen und eher unbekannten, als auch die wilderen und bekannteren Seiten der weitläufigen Schneealpe. Ohne Schneefelder und mit genug Mut am Donnerkogel handelt es sich um eine perfekte Genußwanderung für sonnige Tage. Schneealpe pur!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

eMail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.
Auch möglich: Abo ohne Kommentar.