Der Guglzipf

Noch um 1900 wurde der Hausberg der Berndorfer Zaglerspitz genannt. Warum er ab 1880 langsam aber stetig zum Guglzipf wurde, bleibt verborgen. Nichts desto trotz ist er ein würdiger Hausberg. Nicht wegen seiner Höhe, denn die beträgt nur 473m über der Adria. Vielmehr besticht der Guglzipf durch die fulminante Aussicht auf Berndorf von der am bewaldeten Gipfel stehenden Jubiläumswarte aus. Dafür lohnt sich eine Tour auf diesen „Mugl“ jedenfalls! Als Bonus winkt auch noch ein gutes Mahl im Wirtshaus am Gipfel.

Von Berndorf aus könnte man in einer halben Stunde über den Mühlsteig zur Aussichtswarte gelangen. Das ist für Bewohner von Berndorf super. Wer aber extra anreist, der will natürlich mehr. Und so darf ich heute eine Wanderung empfehlen, die sich über 14 km und mehr als 500 Hm möglichst „kompliziert“ an den Guglzipf annährt, dafür aber mit dem 510 m hohen Größenberg den höchsten Berg der ganzen Gegend mitnimmt und auch an anderen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt. Idealer Weise folgt man dieser meiner Route im Herbst oder Frühling. Die Wege sind dabei stets (sehr) gut, nur sollte man eine gute Portion Orientierungssinn mitbringen.

Ich komme leider nicht mit dem Zug (was hier aber rückblickend gesehen leicht möglich gewesen wäre) und stelle mein Auto in der Hernsteiner Straße außerhalb der Kurzparkzone ab. Von hier aus führt mich mein Weg zur Abzweigung nach Kleinfeld. Hier folge ich der Kleinfelder Straße ganz kurz, um bald auf einen (recht unsichtbaren) Feldweg einzuschwenken. Eigentlich sollte der Weg markiert sein, aber so genau nimmt man es hier offenbar nicht. Da die Tour zu einem guten Teil aber ohnehin auf unmarkierten Wegen erfolgt und es deren hier hunderte gibt – die meisten davon kleine Steiglein im Wald – ist sowieso stete Aufmerksamkeit angebracht. Jedenfalls verlässt man hier die asphaltierten Straßen und setzt die Wanderung auf stets guten Waldwegen und Steigen fort.

Der Weg führt zur Kolonie und damit zum Zechenhaus samt Stolleneingang. Die hier bis in die 1950er-Jahre geförderte Kohle wurde mit einer Seilbahn über den Guglzipf direkt zur Metallwarenfabrik befördert. Heute ist das Gelände ein schöner Festplatz.

Weiter geht es zu den Feldern von Kleinfeld. Ein wunderbarer Blick über Kleinfeld hinweg zum Guglzipf eröffnet sich und die Felder werden auf einer Straße in voller Breite abgeschritten, bis der Aufschwung auf den Größenberg beginnt. Nach ungefähr 150 Höhenmetern erreicht man den bewaldeten Gipfel. Bei einer Mariensäule geht es abwärts und man folgt den Wegen bis zum Rastplatz Sauerkreuz. Dort zweigt ein Steiglein ab, das uns zu einem der besten Aussichtspunkte der Tour, nahe des Rauchgstättenberg-Gipfels bringt. Dieser Gipfel ist mitten im Wald und daher aussichtslos. Der erwähnte Aussichtspunkt wurde dafür sogar mit einem provisorischen Bankerl ausgestattet.

Einmal geht es noch bergab, um schließlich den (kurzen) Anstieg auf den Guglzipf in Angriff zu nehmen. Vorbei an einem Fußballplatz mitten im Wald geht es direkt zur Jubiläumswarte mit ihrer sensationellen Aussicht auf Berndorf. Am Guglzipf befindet sich auch eine nette Einkehrmöglichkeit in Form des Waldgasthofes. Gutes Bier inklusive.

Als Abstiegsweg wähle ich den Mühlsteig, der am Krupp-Tempel vorbei führt. Dort erhascht man nochmals einen feinen Blick auf Berndorf, wiewohl der Tempel selbst nicht mehr als ein Personenkult-Denkmal ist. Allerdings eines mit Augenzwinkern, wenn man die Büste genauer betrachtet.

In Kürze wird nun der Ausgangspunkt dieser einfachen aber auch abwechslungsreichen Wanderung erreicht.

Fazit: Eine schöne, geschichtsträchtige Wanderung in und um Berndorf. Wer Wälder und Aussichtstürme mag, ist hier im Herbst und Frühling sehr gut aufgehoben!

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