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PV & Stromspeicher – warum sich das im Winter lohnen kann

Ein häufig gehörter Satz lautet: „Ein Stromspeicher lohnt sich nicht – schon gar nicht im Winter.“
Die Begründung klingt zunächst plausibel: Im Winter scheint kaum Sonne, der Speicher bleibt leer, und im Sommer gäbe es ohnehin genug PV-Ertrag. Diese Argumentation greift allerdings zu kurz. Ich möchte in diesem Beitrag „PV & Stromspeicher – warum sich das im Winter lohnen kann“ erklären, warum ein Stromspeicher auch im Winter wirtschaftlich sinnvoll eingesetzt werden kann – vorausgesetzt, man nutzt ihn richtig. Seit Kurzem habe ich selbst einen Speicher in Betrieb und ein Nutzungsszenario gefunden, das genau hier ansetzt.

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Mythos: Im Winter scheint keine Sonne

Zunächst ein Faktencheck: Auch im Winter scheint die Sonne – weniger als im Sommer, aber deutlich mehr, als viele erwarten. Ich war selbst überrascht, wie viel Ertrag meine Photovoltaikanlage selbst in den Monaten Dezember, Jänner und Februar liefert.

Natürlich sind die Erträge niedriger, aber sie sind nicht null. Und jeder selbst erzeugte Kilowattstunde Strom, die ich nicht einspeise, sondern im eigenen Haushalt nutze, spart mir teuren Netzstrom. Genau hier setzt der Speicher an:

  • Überschüsse aus sonnigen Wintertagen werden gespeichert
  • der Eigenverbrauch steigt
  • die Einspeisung sinkt (bei mir vermutlich im Winter sogar auf null)

Das allein ist sinnvoll – aber noch nicht der entscheidende Punkt.


Der eigentliche Winter-Vorteil: Strompreis-Arbitrage

Der wesentliche wirtschaftliche Hebel eines Speichers im Winter ist ein anderer:
👉 die Kombination mit einem dynamischen Stromtarif

Ich nutze einen stundenbasierten, dynamischen Tarif, bei dem sich der Strompreis je nach Angebot und Nachfrage stündlich ändert. Das führt zu großen Preisunterschieden:

  • sehr günstige Preise nachts oder mittags
  • sehr teure Preise morgens und abends
  • gelegentlich sogar negative Strompreise

Im Sommer kann das bedeuten, dass Stromverbrauch Geld bringt.
Im Winter bedeutet es vor allem: billig laden – teuer verbrauchen.


So nutze ich den Speicher im Winter

Mein Ziel ist klar definiert:

  1. Strom in günstigen Stunden einkaufen (z. B. nachts zwischen 2 und 5 Uhr oder mittags)
  2. im Speicher zwischenspeichern
  3. in teuren Stunden verbrauchen (morgens, abends)

Damit wird der Speicher nicht primär als PV-Erweiterung genutzt, sondern als Preispuffer.


Konkretes Rechenbeispiel

Nehmen wir ein bewusst konservatives Szenario an:

  • günstiger Strompreis: 7 Cent/kWh
  • teurer Strompreis: 25 Cent/kWh
  • Speichergröße: 10 kWh

Laden des Speichers:
10 kWh × 0,07 € = 0,70 €

Verbrauch am Abend statt Netzbezug:
10 kWh × 0,25 € = 2,50 €

👉 Ersparnis pro Zyklus: 1,80 €

Rechnen wir weiter:

  • 20 Zyklen pro Monat → 36 €
  • Heizsaison (5 Monate) → 180 €

Und das wohlgemerkt trotz Speicherverlusten von 10–15 %.

In der Praxis sind die Preisunterschiede oft größer – die Rechnung ist also eher vorsichtig angesetzt.


Wann sich ein Speicher im Winter nicht lohnt

Ebenso klar muss man sagen:
Ohne dynamischen Stromtarif funktioniert dieses Modell nicht.

Bei einem klassischen Fixpreis-Tarif:

  • kein günstiger Strom zum Laden
  • zu wenig PV-Ertrag im Winter
  • keine Preisspreizung

➡️ Der Speicher bleibt wirtschaftlich unsinnig.

Speicher und dynamischer Tarif gehören aktuell zusammen. Das wird sich erst ändern, wenn Speicher deutlich günstiger werden.


Fazit

Ein Stromspeicher lohnt sich im Winter nicht automatisch – aber er kann sich lohnen, wenn:

  • ein dynamischer Stromtarif genutzt wird
  • der Speicher aktiv gesteuert wird
  • günstige und teure Stunden bewusst ausgenutzt werden

Ich werde dieses Konzept in den kommenden Monaten praktisch testen und die Ergebnisse transparent teilen. Nach dem letzten Winter mit Heizen per Klimaanlage wird dieser Winter also thematisch der „Speicher-Winter“.

Wenn dich das interessiert:
Bleib dran – und wir sehen uns bald wieder hier auf hoch nachhaltig.

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