Kulturwanderweg: Heiligenkreuz – Peilstein – Baden

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Schon länger schwirrte mir die Idee im Kopf herum, einige wesentliche kulturelle Highlights des Wienerwaldes zu einer zweitägigen „Kulturwanderung“ zusammenzuführen, die ich dann auch über den Alpenverein-Gebirgsverein sinnvoll publizieren kann. Gesagt getan:

Etappe 1: Heiligenkreuz – Mayerling – Maria Raisenmarkt – Arnstein – Peilstein

Am ersten Tag startet man am besten bei der Bushaltestelle „hinter“ dem Stift Heiligenkreuz, wo sich auch der „Gipfel“ des Kreuzwegs befindet. Sofort sticht einem der Wegweiser der „Via Sacra“ bzw. des „Wiener Wallfahrerweges“ ins Auge, dem man über weite Teile dieser Etappe folgt. Nur zwei Mal wird man an diesem Tag die Via Sacra verlassen: einmal, um ein Asphaltstück sehr hübsch zu umgehen und das zweite Mal, um den Peilstein zu besteigen.

Den Kreuzweg entlang kann man also in den Stiftshof spazieren, wo es laufend sehr interessante Führungen gibt. Da die erste Etappe so angelegt ist, dass man um ca. 10:00 Uhr (Ankunft öffentlicher Bus) startet und bei rund vier Stunden Gehzeit genug Zeit hat, Dinge näher zu betrachten, sei eine Führung im Stift empfohlen.

Das Stift ist auch ein touristisches Zentrum und manchmal ziemlich hektisch. Diese Betriebsamkeit lässt man rasch hinter sich, indem man der Via Sacra nun nach Mayerling folgt. Durch schönen Wald wandert man entlang eines offenbar nicht weiter betreuten Kulturwanderweges „Baden – Mayerling – Alland“. Die Infotafeln dieses Weges erzählen gut Wissenswertes über die Region.

In Mayerling angekommen, wartet der Karmel Mayerling – das ehemalige Jagdschloss des Kronzprinzen Rudolph – auf einen Besuch. Hier ist der Ort, an dem Kronprinz Rudolph unter tragischen Umständen gemeinsam mit der 17-jährigen Mary Vetsera den Tod fand.

Weiter geht es ein Stück auf aspahltierten Wegen Richtung Maria Raisenmarkt. Um ein gutes Stück Straßenweg zu umgehen, empfiehlt sich ein Umweg über den „Via Sacra Rundwanderweg“, der an dieser Stelle unmarkiert und offenbar auch aufgelassen ist. Deshalb bitte unbedingt auf den GPS-Track achten!

Der leider nicht markierte Weg zweigt bei einer weiteren Tafel des Kulturwanderweges Baden – Alland nach links ab, geht aussichtsreich auf eine Erhebung und mündet in einer Wiese, an deren Ende man einfach nach links quert. Bald stößt man auf einen gelb markierten Waldweg, der den Wanderer über Untermaierhof in den Wallfahrtsort Maria Raisenmarkt bringt. Wer es bis hierher ohne Einkehr geschafft hat, möge die Pizzeria „Mafioso“ besuchen.

Vorbei an der Wallfahrtskirche Maria Raisenmarkt folgt man der Via Sacra in Richtung Peilstein. Bei einem markanten Felsblock im Wald (GPS-Track beachten!) teilt sich der Weg und wir nehmen den linken Ast, der bergauf führt. Man folgt nun bis zum Tagesziel dem markierten Weg bis zum Peilsteinhaus. Zweimal gilt es dabei, die Augen offen zu halten: Zum ersten Mal an der Stelle am Fuße des Arnsteinfelsens, wo der Weg nach links abbiegt, während ein Pfad nach rechts zur besuchenswerten Arnsteinhöhle führt. Und zum zweiten Mal da, wo der Weg an der Arnsteinruine vorbeiführt. Hier gelangt man auch zur aussichtsreichen und spektakulären Arnsteinnadel. 

Weiter geht es – wie bisher sehr einfach und auf guten Wegen – zum Peilsteinhaus bzw. zum davon rund zwei Minuten entfernten Peilstein-Gipfelkreuz mit seiner wunderbaren Aussicht über den Wienerwald nach Dornau.

Nächtigen kann man im Peilsteinhaus mit seiner hervorragenden Küche. Da dieses Haus ein beliebter Kurs-Stützpunkt der Alpinschule Peilstein ist und auch bei Wallfahrern hoch im Kurs steht, empfiehlt sich jedenfalls eine Reservierung. 

 

Etappe 2: Peilstein – Zobelhof – Hoher Lindkogel – Helenental – Kurpark Baden

Diese Etappe startet bergab, dem (4)04er-Wanderweg folgend nach Schwarzensee. Dieser 04er begleitet uns heute über ein gutes Stück und wird nur manchmal durch andere Wege unterbrochen. Im Gegensatz zu Etappe 1 ist diese Etappe eher eine Streckenwanderung, deren erlebnisreiche Highlights erst im letzten Drittel kumulieren. Die ersten beiden Drittel führen zum Ausgleich dafür durch schöne und abwechslungsreiche Kulturlandschaft.

Der Weg von Schwarzensee erreicht bald eine Asphaltstraße, der man eine Zeit lang folgt. Wer lieber auf weichem Grund unterwegs ist, kann auch das Steiglein neben der Straße nutzen, das ab und an auch im Wald verschwindet. Manchmal entfernt es sich – später ein Waldweg werdend – sogar rund 100 Meter von der Straße. An der Abzweigung zum Obermeierhof treffen sich Waldweg und Straße jedoch jedenfalls wieder und man folgt weiter dem 04er-Weg. Dieser führt uns nun über den schönen Zobelhof und später etwas steiler durch typischen Wienerwald-Wald auf den Gipfel des Hohen Lindkogels. Hier wartet nicht nur eine verdiente Erfrischung im Schutzhaus, sondern auch die historische Sina-Warte, die bestiegen werden will. Von ihrer obersten Plattform aus sieht man wesentliche Teile des bisherigen Weges von Heiligenkreuz aus, sowie der noch zurückzulegenden Strecke. Hat man sich satt gesehen, durchschreitet man das Eiserne Tor und startet so einen langen Weg bergab.

Wir folgen dabei wieder dem (4)04-er, passieren einen wunderbaren Aussichtsplatz samt Hochstand und dann die Karlsruhe. Von dort aus verlässt man erstmalig den 04-er und folgt der gelben Markierung zur Augustinerhütte bis zu dem Punkt, wo sich der Weg teilt. Hier wechseln wir zur ebenfalls gelben Markierung zur beschilderten Cholerakapelle.

Auf meiner Tour (siehe GPS-Track) bin ich einen rückblickend sinnlosen Umweg gegangen, da ich den Weg über den Beethovensteig statt über den Steinigen Weg direkter ins Tal führen wollte. Allerdings entpuppte sich der Beethovensteig in einem Bereich als schmaler Pfad entlang eines Grades, bei dem man auch Hand am Fels anlegen musste und bei dem Trittsicherheit unumgänglich ist. Das würde den technisch einfachen Charakter des gesamten bisherigen Weges (Etappe 1 und Etappe 2) zu sehr verändern. Daher habe ich mich in letzter Konsequenz für den einfacheren „Steinigen Weg“ entschieden.

Der gelbe Weg zur Cholerakapelle erreicht im Tal das historische und romantische Wegerl im Helenental, über das hier auch der Beethovenweg führt. Diesem folgen wir nun – stets entlang der Schwechat und vorbei am Beethovenstein und am Urteilsstein – bis zum Hotel Sacher. Wer mag, nimmt ein gemütliches (Fuß-) Bad in der erfrischenden Schwechat. Natürlich ist auch ein Abstecher zur besagten Cholerakapelle möglich. Ich selbst habe wetterbedingt auf beides verzichtet.

Beim Hotel Sacher trifft man auf nahezu wunderbare Weise wieder auf den 04-er, der uns rauf zur – leider momentan gesperrten – Ruine Raunenstein führt. Ich bin nun der grünen Markeirung gefolgt, genauso gut kann man jedoch auch weiter dem bekannten Weg folgen. Beide führen uns in den oberen Badener Kurpark und erreichen diesen beim Pavillon Faberhöhe samt schöner Aussicht.

Im Badener Kurpark wird der Weg nun etwas unübersichtlich – auch aufgrund der vielen, manchmal nicht durchgehenden Markierungen. Ich empfehle hier, einfach meinem GPS-Track zu folgen, um die wesentlichen Sehenswürdigkeiten dieses wunderbaren Parks zu erreichen. Apropos: da mich an dieser Stelle ein Gewitter erwischte, bitte ich zur Ansicht von Fotos des Kurparks und seiner Sehenswürdigkeiten diesen Bericht zu Rate zu ziehen: Kurpark Baden.

Talwärts geht es nun zum Kaiser-Franz-Josef-Museum, dessen Besuch lohnt. Wem der Kaiser egal ist, findet im daran angeschlossenen, aussichtsreichen Café jedenfalls auch seine Freude.

Die Theresienwarte – unser nächstes Ziel – ist bereits beim Museum angeschrieben und wir folgen nun der gelben Markierung. Zuerst auf breitem Weg führt diese bald auf ein Steiglein in den Wald empor. Die Markierung wählt nicht gerade den direktesten Weg zur Warte, und so nutzen wir bald ein unmarkiertes Steiglein, das verfolgt wird, bis man wieder auf die Markierung stößt. Eigentlich ist es ein Markierungspfeil, der die Richtung zur Warte weist. Diese wird in Kürze erreicht. 

Nach dem genießen der Aussicht kann es schon vorkommen, dass wieder der Hunger nagt. Unser nächstes Ziel daher: der schöne Rudolfshof. Von seiner Wiese aus hat man eine sehr schöne Aussicht. Folgt man dort der gelben Markierung weiter, gelangt man zum „Mautner-Markhof-Pavillon“, der auch recht gemütlich ist.

Bis zur sehr aussichtsreichen Karolinen-Höhe wird nun ein letztes Mal dem 04-er gefolgt. Bei besagter Karolinen-Höhe wählt man nun aber einen talwärts führenden Weg, bis der Einstieg des Felsenweges erreicht ist. Dieser ist ein steiler, aber gut zu begehender und vor allem sehr lohnender, wildromantischer Weg, den ich jedem ans Herz legen möchte! Achtung: bald teilt sich der Felsenweg und wir nehmen den linken Ast.

Wo der Felsenweg aufhört, führt geradeaus ein breiter Weg talwärts. Diesem wird gefolgt bis zum Etappenziel: dem (unteren) Kurpark Baden samt Casino. Von hier aus gibt es genug Möglichkeiten, mit öffentlichen Verkehrsmitteln die Heimreise anzutreten.

Tipp: Beim Rudolfshof kann man alternativ auch zur Einöde absteigen und von dort wieder – landschaftlich sehr schön – zur Rudolf-Proksch-Hütte aufsteigen. Das Tagesziel wäre dann Pfaffstätten oder wahlweise Gumpoldskirchen (in diesem Fall unbedingt auch die Veigl-Hütte besuchen!). Genau das Richtige für Liebhaber guter Weine!

Fazit: Eine sehr schöne Zwei-Tages-Wanderung durch und zu den Highlights des Wienerwaldes. Romantisch, aussichtsreich und stets auf historischen Wegen entdeckt man so eine uralte Kulturlandschaft.

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