Im April 2024 habe ich meinen Fiat 600e übernommen – damals als einer der ersten Fahrer dieses Modells in Österreich. Mittlerweile sind gut zwei Jahre und drei Monate vergangen und der Kilometerzähler hat die Marke von 40.000 Kilometern überschritten. Zeit für ein ausführliches Fazit: Wie macht sich der Fiat 600e nach 40.000 Kilometern? Wie zuverlässig war er bisher? Welche Reparaturen waren notwendig? Wie bewährt er sich auf der Langstrecke? Und würde ich ihn wieder kaufen?

Das Wichtigste vorweg: Ich bin nach wie vor sehr zufrieden
Nach 40.000 Kilometern kann ich sagen: Der Fiat 600e macht genau das, was ein Auto machen soll. Er fährt zuverlässig, komfortabel und weitgehend unauffällig.
Ich nutze das Fahrzeug sehr unterschiedlich. Einerseits pendle ich damit regelmäßig zum Bahnhof, andererseits fahre ich längere Geschäfts- und Urlaubsreisen. Gelegentlich muss der Fiat 600e auch über schlechtere Zufahrtsstraßen zu den Schutzhütten meines Vereins. All das erledigt er bisher problemlos.
Der Fiat 600e ist natürlich kein Geländewagen. Leichte Fahrten auf unbefestigten Wegen oder schlechten Forststraßen waren bislang aber kein Problem.
Sehr gutes assistiertes Fahren
Besonders schätze ich weiterhin die Fahrerassistenzsysteme. Der Fiat 600e bietet ein Level-2-System, also ein unterstütztes und kein vollständig autonomes Fahren.
In der Praxis funktioniert dieses System ausgesprochen gut. Der adaptive Tempomat hält Geschwindigkeit und Abstand, während der Spurhalteassistent das Fahrzeug angenehm in der Fahrspur führt.
Dabei greift das System nicht hektisch oder abrupt ein. Die Lenkbewegungen erfolgen überwiegend weich und nachvollziehbar. Das Auto vermittelt dadurch ein hohes Sicherheitsgefühl, ohne den Fahrer permanent mit Warnsignalen zu belästigen.
Das ist für mich ein großer Vorteil. Manche modernen Fahrzeuge piepsen bei beinahe jeder Gelegenheit. Im Fiat 600e bleiben die Warnungen im normalen Fahrbetrieb vergleichsweise dezent.
Eine Ausnahme gibt es allerdings: Ist jemand nicht angeschnallt, meldet sich das Auto ausgesprochen nachdrücklich. Diese Warnung ist laut, dauerhaft und nicht einfach abschaltbar. Nachdem ohnehin alle Insassen angeschnallt sein müssen, ist das aber letztlich kein ernsthaftes Problem.
Hoher Fahrkomfort im Alltag und auf Reisen
Der Fiat 600e fährt sich ausgesprochen angenehm. Das Fahrwerk ist komfortabel, ohne schwammig zu wirken. Gleichzeitig ist das Auto kompakt genug für den Stadtverkehr und bietet dennoch ausreichend Platz für längere Reisen.
Auch nach mehreren Stunden Fahrt empfinde ich das Fahrzeug nicht als anstrengend. Die Geräuschkulisse ist niedrig und die Assistenzsysteme reduzieren den Stress auf Autobahnetappen deutlich. Gerade auf langen Strecken zeigt sich, dass ein gutes Elektroauto nicht nur leise, sondern auch sehr entspannt zu fahren ist.
Ein größerer Defekt in 40.000 Kilometern
Ganz ohne Reparatur ging es allerdings nicht. Nach ungefähr einem Jahr fiel der Kompressor der Klimaanlage aus. Passiert ist das ausgerechnet bei der Heimfahrt aus Italien während einer ausgesprochen heißen Wetterphase. Das war naturgemäß unangenehm. Der Defekt wurde jedoch vollständig im Rahmen der Garantie behoben.
Abgesehen davon gab es in den ersten 40.000 Kilometern keine nennenswerten technischen Probleme und keine weiteren außerplanmäßigen Reparaturen. Damit fällt meine bisherige Zuverlässigkeitsbilanz insgesamt sehr positiv aus.
Drei Serviceaufenthalte und überschaubare Kosten
Vorgeschrieben waren bisher drei Servicetermine:
- bei 10.000 Kilometern,
- bei 20.000 Kilometern,
- bei 40.000 Kilometern.
Die einzelnen Services kosteten jeweils ungefähr zwischen 160 und 220 Euro.
Grundsätzlich kann man darüber diskutieren, weshalb Elektroautos überhaupt derart häufig zum Service müssen. Viele Arbeiten bestehen hauptsächlich aus Sichtkontrollen, dem Auslesen des Fehlerspeichers und der Überprüfung verschiedener Fahrzeugkomponenten.
Trotzdem sind die Kosten überschaubar. Drei Servicetermine in etwas mehr als zwei Jahren sind verkraftbar und deutlich günstiger als die Wartung meines früheren Verbrenners.
Laden zu Hause und unterwegs
Den überwiegenden Teil des Stroms lade ich zu Hause an meiner Wallbox. Das ist bequem und in meinem Fall auch deutlich günstiger als das Fahren mit Benzin oder Diesel.
Auf Langstrecken nutze ich hauptsächlich das Ionity-Netz. Dort verwende ich den Power-Tarif mit entsprechender Ladekarte.
Die Preisstruktur bei öffentlichen Schnellladern war in den vergangenen Jahren teilweise unübersichtlich. Mittlerweile hat sich für mich aber eine praktikable Lösung ergeben: zu Hause laden, wann immer es möglich ist, und auf langen Fahrten gezielt die Schnellladeparks von Ionity nutzen.
Mit dieser Kombination funktioniert das Reisen unkompliziert.
Reale Reichweite auf der Langstrecke
Meine üblichen Fahretappen auf der Autobahn liegen bei ungefähr 250 bis 300 Kilometern.
Das bedeutet nicht, dass der Akku nach dieser Strecke vollständig leer ist. Vielmehr plant die Navigations- und Ladeplanung die Route so, dass ich mit einer ausreichenden Restladung an der nächsten Ladesäule eintreffe.
Ich versuche, Schnellladestationen mit ungefähr 15 bis 20 Prozent Akkustand zu erreichen. Am eigentlichen Reiseziel möchte ich meist noch rund 40 Prozent Ladung haben, sofern ich dort nicht direkt laden kann. Damit bleibt ausreichend Reserve für weitere Fahrten am Zielort oder für einen Teil der Rückreise.
Bei Fahrten nach Salzburg und retour ergeben sich auf Hin- und Rückfahrt insgesamt ungefähr zwei bis drei Ladestopps. Für mich ist das vollkommen in Ordnung.
1.000 Kilometer und mehr sind problemlos möglich
Unsere Urlaubsfahrten sind häufig deutlich länger. Strecken von rund 1.000 Kilometern sind keine Seltenheit.
Bei einer Reise in die Niederlande waren es je nach Route ungefähr 1.100 bis 1.200 Kilometer. Bis zum Ziel waren dabei ungefähr fünf Ladestopps notwendig.
Natürlich ist der Fiat 600e kein Langstreckenfahrzeug, das 700 oder 800 Kilometer ohne Pause zurücklegt. Das brauche ich allerdings auch nicht. Nach 200 bis 300 Kilometern lege ich ohnehin eine Pause ein. Man geht zur Toilette, trinkt einen Kaffee oder vertritt sich kurz die Beine. Wird das Laden vernünftig in diese Pausen integriert, empfinde ich die Stopps nicht als wesentliche Einschränkung.
Die entscheidende Voraussetzung ist eine funktionierende Ladeplanung. Mit einer entsprechenden Routenplanungs-App lässt sich die Reise gut vorbereiten. e-Routes ist dazu mit an Board des Fiat-Paketes und leistet ausgesprochen gute Dienste auf Basis der Live-Batteriedaten.
Ladeleistung: ausreichend, aber nicht mehr führend
Der Fiat 600e lädt am Schnelllader mit maximal rund 100 kW. Die Ladekurve ist grundsätzlich gut und bleibt über einen brauchbaren Bereich relativ stabil. Mit steigendem Akkustand sinkt die Leistung allerdings ab. Das ist bei Elektroautos normal. In höheren Ladebereichen stehen daher keine 100 kW mehr zur Verfügung.
Im Alltag hat mich das bisher kaum gestört. Meistens ist das Auto fertig oder beinahe fertig geladen, wenn meine Pause vorbei ist. Trotzdem entwickelt sich die Technik weiter. Neuere Elektroautos erreichen teilweise deutlich höhere Ladeleistungen und können diese auch länger halten.
Bei einem künftigen Fahrzeug wäre schnelleres Laden daher durchaus ein zusätzlicher Komfortgewinn. Ein zwingender Grund für einen Fahrzeugwechsel ist es für mich derzeit aber nicht.
Warum sieht man den Fiat 600e so selten?
Was mich lange überrascht hat: Während der ersten eineinhalb Jahre begegnete mir kaum ein anderer Fiat 600e auf österreichischen Straßen.
Der kleinere Fiat 500e ist deutlich häufiger zu sehen. Dabei ist der Fiat 600e aus meiner Sicht in fast allen praktischen Bereichen das vielseitigere Fahrzeug. Er bietet mehr Platz, mehr Reichweite und eignet sich deutlich besser für längere Strecken.
Mittlerweile nimmt die Zahl der Fahrzeuge auf der Straße erkennbar zu. Möglicherweise tragen auch die hohen Benzin- und Dieselpreise dazu bei, dass sich wieder mehr Menschen mit Elektroautos beschäftigen.
Würde ich den Fiat 600e wieder wählen?
Nach 40.000 Kilometern lautet meine Antwort eindeutig: Ja.
Der Fiat 600e ist komfortabel, zuverlässig, sparsam und angenehm zu fahren. Er eignet sich für den täglichen Arbeitsweg ebenso wie für lange Urlaubsreisen.
Die einzige größere Reparatur wurde von der Garantie übernommen. Die Wartungskosten blieben überschaubar und die Reichweite hat sich im bisherigen Nutzungszeitraum nicht spürbar verändert.
Das Fahrzeug ist kein technisches Extremmodell. Es bietet weder Rekordreichweite noch die höchste Ladeleistung. Dafür funktioniert es im Alltag ausgesprochen unproblematisch. Und genau das erwarte ich von einem Auto.
Wie geht es nach dem Leasing weiter?
Mein Fiat 600e ist geleast. In ungefähr zwei Jahren läuft der Vertrag aus.
Ob ich das Fahrzeug anschließend behalte oder auf ein neueres Elektroauto umsteige, ist noch offen. Wahrscheinlicher ist derzeit ein Wechsel auf ein Modell mit höherer Ladeleistung.
Genauso gut kann es aber sein, dass ich den Fiat 600e übernehme. Denn ein Fahrzeug, das zuverlässig funktioniert und mit dem man zufrieden ist, muss man nicht unbedingt ersetzen.
Mein Gesamtfazit nach 40.000 Kilometern
Der Fiat 600e hat sich in den ersten 40.000 Kilometern als ausgesprochen alltagstaugliches Elektroauto erwiesen.
Er fährt komfortabel, die Assistenzsysteme funktionieren sehr gut und auch lange Reisen sind ohne besondere Schwierigkeiten möglich. Die laufenden Kosten sind überschaubar und technische Probleme gab es – abgesehen vom defekten Klimakompressor – keine.
Für Menschen, die ein kompaktes, aber dennoch reisetaugliches Elektroauto suchen, ist der Fiat 600e aus meiner Sicht weiterhin eine klare Empfehlung.