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evcc mit Home Assistant: Die bessere Alternative zu clever-PV?

Vor Kurzem habe ich clever-PV als Möglichkeit vorgestellt, ein Elektroauto automatisch mit PV-Überschuss oder in günstigen Stromstunden zu laden. Damals war ich überzeugt, dass es keine vergleichbare Lösung gibt, die sich direkt in Home Assistant integrieren lässt. Nach dem Video habe ich noch einmal gründlich gesucht – und wurde fündig: evcc, ausgeschrieben „Electric Vehicle Charge Controller“. Für Haushalte, die bereits Home Assistant verwenden, ist evcc aus meiner Sicht eine besonders interessante Lösung. Die Software läuft lokal, unterstützt eine enorme Zahl unterschiedlicher Geräte und kann nicht nur das Elektroauto, sondern auch den Batteriespeicher und dynamische Stromtarife in die Ladeplanung einbeziehen. Daher geht es in diesem Video um evcc mit Home Assistant.

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Was ist evcc?

evcc ist eine quelloffene Software zur intelligenten Steuerung von Elektroauto-Ladevorgängen. Sie optimiert das Laden wahlweise anhand von:

  • verfügbarem PV-Überschuss,
  • dem Ladestand des Hausspeichers,
  • dynamischen Strompreisen,
  • einer festgelegten Abfahrtszeit,
  • einem gewünschten Ladestand,
  • einer Solarprognose.

Die Software läuft lokal, beispielsweise auf einem Raspberry Pi oder einem anderen Server. Eine Cloud ist für den Betrieb grundsätzlich nicht erforderlich. Laut offizieller Dokumentation unterstützt evcc herstellerübergreifend Hunderte Wallboxen, Fahrzeuge, Wechselrichter, Stromzähler und Batteriesysteme.

evcc oder clever-PV: Wo liegt der Unterschied?

Beide Systeme verfolgen ein ähnliches Ziel: Sie sollen vorhandenen Solarstrom möglichst effizient nutzen und das Elektroauto zu günstigen Zeitpunkten laden.

Der technische Ansatz ist jedoch unterschiedlich.

Eigenschaftevccclever-PV
BetriebLokal auf dem eigenen ServerCloudbasierter Dienst
Home AssistantSehr gut integrierbarKeine vergleichbare lokale Integration
GeräteunterstützungSehr große Zahl unterschiedlicher HerstellerEbenfalls herstellerübergreifend, abhängig von den verfügbaren Cloud-Schnittstellen
EinrichtungEtwas technischerEinfacher Einstieg
Dynamische StromtarifeJaJa
PV-ÜberschussladenJaJa
BatteriespeichersteuerungJaJa, bei unterstützten Herstellern
ZielgruppeNutzer mit Home Assistant oder eigenem ServerNutzer, die eine möglichst einfache Cloudlösung suchen

clever-PV bietet unter anderem PV-Überschussmanagement, Batteriepriorisierung, Solarprognosen und eine Steuerung anhand dynamischer Strompreise. Auch Ladeziele und Abfahrtszeiten können berücksichtigt werden.

Der wesentliche Vorteil von evcc liegt daher nicht darin, dass clever-PV diese grundlegenden Funktionen nicht besitzt. Der Vorteil besteht vielmehr im lokalen Betrieb, der tiefen Einbindung in das eigene Smart Home und der großen Zahl direkt unterstützter Geräte.

Lokaler Betrieb statt Cloud

Bei evcc verbleibt die zentrale Steuerung im eigenen Netzwerk. Dadurch ist man für die grundlegende Ladeautomatisierung nicht von einem externen Cloudserver abhängig.

Das bringt mehrere Vorteile:

  • kurze Reaktionszeiten,
  • keine zusätzliche Cloud als Vermittler,
  • direkte Kommunikation mit Wallbox, Zähler und Batteriespeicher,
  • bessere Einbindung eigener Sensoren und Automatisierungen,
  • mehr Kontrolle über die verarbeiteten Daten.

Gerade beim PV-Überschussladen können kurze Reaktionszeiten wichtig sein. Ändert sich die Einspeisung, kann evcc die Ladeleistung zeitnah anpassen, sofern Wallbox und Messsystem entsprechend schnelle Schnittstellen bereitstellen.

Home Assistant und evcc müssen dafür lediglich im selben Netzwerk erreichbar sein. Über die Home-Assistant-Integration können Messwerte, Ladepunkte, Fahrzeuge und Einstellungen eingebunden und für eigene Dashboards oder Automatisierungen genutzt werden.

Was kostet evcc?

evcc ist ein Open-Source-Projekt. Für viele kommerzielle Wallboxen wird jedoch ein Sponsortoken benötigt. Ausnahmen bestehen unter anderem für bestimmte Open-Hardware-Produkte, unterstützende Hersteller sowie einfache Schaltsteckdosen und Plugins.

Aktuell stehen laut evcc-Dokumentation unter anderem folgende Möglichkeiten zur Verfügung:

  • monatliches Sponsoring ab 4 US-Dollar,
  • einmalig 150 US-Dollar über GitHub Sponsors,
  • einmalig 150 Euro über den direkten Zahlungsweg.

Das einmalige Sponsortoken gilt unbefristet.

Bei clever-PV handelt es sich dagegen um einen laufenden Cloud-Dienst mit unterschiedlichen Tarifen. Da sich Preise und Tarifmodelle ändern können, sollte der jeweils aktuelle Preis direkt beim Anbieter geprüft werden.

Einrichtung unter Home Assistant

Wer Home Assistant bereits verwendet, dürfte mit der Einrichtung von evcc grundsätzlich zurechtkommen. In meinem Fall war die grundlegende Installation innerhalb weniger Minuten erledigt.

Die eigentliche Arbeit liegt weniger in der Installation der Software als in der korrekten Konfiguration der vorhandenen Komponenten:

  • Netzstromzähler,
  • PV-Anlage beziehungsweise Wechselrichter,
  • Batteriespeicher,
  • Wallbox,
  • Elektroauto,
  • Stromtarif,
  • Einspeisevergütung.

Sind die Geräte bereits in Home Assistant vorhanden, kann evcc auch Home-Assistant-Entitäten als Datenquellen verwenden. Dadurch lassen sich sogar Komponenten einbinden, die evcc nicht unmittelbar über eine eigene Herstellerschnittstelle unterstützt.

Ein wichtiger Hinweis: Das evcc-Add-on für Home Assistant ist eine Community-Integration und wird laut offizieller Dokumentation nicht direkt vom evcc-Team unterstützt. evcc kann alternativ unabhängig von Home Assistant installiert und anschließend über die Integration, MQTT oder die REST-API angebunden werden.

Die wichtigsten Lademodi

Über die evcc-Oberfläche kann festgelegt werden, wie das angeschlossene Elektroauto geladen werden soll.

Aus

Das Fahrzeug ist angeschlossen, der Ladevorgang bleibt jedoch deaktiviert.

PV

Das Fahrzeug wird ausschließlich dann geladen, wenn ausreichend PV-Überschuss vorhanden ist. Sinkt der Überschuss unter die notwendige Ladeleistung, wird der Ladevorgang reduziert oder unterbrochen.

Min + PV

Das Fahrzeug erhält eine definierte Mindestladeleistung. Zusätzlich vorhandener PV-Überschuss erhöht die Ladeleistung.

Dieser Modus ist sinnvoll, wenn das Fahrzeug jedenfalls geladen werden muss, Solarstrom aber trotzdem möglichst umfassend genutzt werden soll.

Schnell

Das Fahrzeug wird mit der maximal verfügbaren beziehungsweise eingestellten Leistung geladen. In meinem Fall sind das bis zu 11 kW.

Diese unterschiedlichen Betriebsarten lassen sich direkt über die übersichtliche Bedienoberfläche auswählen.

Batteriespeicher oder Elektroauto priorisieren

Besonders interessant ist das Zusammenspiel mit einem vorhandenen Hausspeicher.

In evcc kann festgelegt werden, ob zunächst der Batteriespeicher oder das Elektroauto geladen werden soll. Ebenso lässt sich bestimmen, ab welchem Batterieladestand das Fahrzeug Vorrang erhält.

In meinem System ist die Priorität beispielsweise so eingestellt:

  • Bis 80 Prozent wird vorrangig der Hausspeicher geladen.
  • Ab 80 Prozent erhält das Elektroauto den Vorrang.
  • Eine Entladung des Hausspeichers in das Auto ist beim normalen PV-Laden deaktiviert.
  • Beim Schnellladen oder bei einem geplanten Ladevorgang darf der Speicher das Fahrzeug unterstützen.

Damit lässt sich verhindern, dass der Hausspeicher ungewollt entladen wird, nur um Energie in den Fahrzeugakku zu verschieben.

Geplantes Laden mit dynamischem Stromtarif

Das Elektroauto muss nicht ausschließlich mit PV-Überschuss geladen werden. evcc kann auch einen dynamischen Stromtarif berücksichtigen.

Dafür werden beispielsweise folgende Werte vorgegeben:

  • Datum und Uhrzeit der Abfahrt,
  • gewünschter Ladestand,
  • aktueller Ladestand,
  • verfügbarer PV-Überschuss,
  • erwartete Solarproduktion,
  • Strompreise bis zur Abfahrt.

evcc errechnet daraus einen Ladeplan. Das Auto wird so geladen, dass das gewünschte Ziel rechtzeitig erreicht wird. Dabei versucht die Software, günstige Stromstunden und die erwartete Solarproduktion möglichst sinnvoll zu kombinieren.

evcc unterstützt feste, zeitabhängige und dynamische Stromtarife. Börsenpreisbasierte Tarife können über Schnittstellen verschiedener Anbieter eingebunden werden. Die Tarifinformationen verwendet evcc sowohl für die Ladeplanung als auch für die Berechnung der Ladekosten.

Auch den Batteriespeicher günstig aus dem Netz laden

Neben dem Elektroauto kann evcc einen kompatiblen Batteriespeicher anhand von Strompreisen steuern.

Damit wäre es beispielsweise im Winter möglich, den Speicher in besonders günstigen Stunden aus dem Netz zu laden. Die Entscheidung kann entweder auf einer festen Preisgrenze oder auf den hinterlegten dynamischen Strompreisen basieren.

Ich selbst verwende dafür bereits eine eigene Steuerung. Die in evcc integrierte Möglichkeit ist dennoch interessant, weil Fahrzeugladung, Batteriespeicher, Solarprognose und Stromtarif damit in einem gemeinsamen System zusammengeführt werden können.

Meine konkrete Anlagenkonfiguration

In meinem System läuft evcc gemeinsam mit Home Assistant. Die Wallbox wird direkt über ihre API angesprochen, während der Victron-Batteriespeicher von evcc erkannt und in die Steuerung einbezogen wird.

Bei meiner Huawei-PV-Anlage fehlt mir weiterhin der notwendige direkte Zugriff auf die Produktionsdaten. evcc erkennt deshalb nicht unmittelbar, wie viel Leistung gerade vom Dach kommt. Stattdessen wird der verfügbare Überschuss anhand der Einspeisung ermittelt.

Für das eigentliche Überschussladen funktioniert das trotzdem zuverlässig. Die in der Oberfläche angezeigte Solarproduktion entspricht in meinem Fall allerdings nicht zwingend der tatsächlichen Gesamtproduktion der PV-Anlage.

Das zeigt gleichzeitig einen wichtigen Punkt: Die Qualität der Steuerung hängt immer davon ab, welche Messwerte und Schnittstellen das eigene System bereitstellt.

Die Benutzeroberfläche

Die evcc-Oberfläche zeigt unter anderem:

  • aktuelle Leistungen von PV-Anlage, Netz und Haushalt,
  • Ladeleistung des Elektroautos,
  • Ladestand und geschätzte Reichweite,
  • Anteil von Solar- und Netzstrom,
  • bisherige Ladekosten,
  • Solarprognosen,
  • Strompreisentwicklung,
  • vergangene Ladevorgänge,
  • mehrere Fahrzeuge und Ladepunkte.

Die Weboberfläche und die App sind weitgehend gleich aufgebaut. Innerhalb des eigenen Netzwerks kann direkt darauf zugegriffen werden. Für den Zugriff von unterwegs kann beispielsweise eine sichere VPN-Verbindung zum Heimnetz verwendet werden.

Eine offene Portfreigabe ins Internet ist dafür weder erforderlich noch empfehlenswert.

Nachteile von evcc

Trotz der vielen Vorteile ist evcc nicht für jeden Haushalt automatisch die bessere Lösung.

Höherer Einrichtungsaufwand

Die Konfiguration ist technischer als bei einem weitgehend vorkonfigurierten Cloud-Dienst. Begriffe wie IP-Adresse, API, MQTT, Sensoren oder YAML sollten zumindest grundsätzlich bekannt sein.

Abhängigkeit von Geräteschnittstellen

Auch evcc kann nur jene Informationen verwenden, die ein Gerät über eine lokale oder cloudbasierte Schnittstelle zur Verfügung stellt.

Eigenverantwortlicher Betrieb

Der eigene Server, Raspberry Pi oder das NAS muss zuverlässig laufen und gewartet werden. Updates und Sicherungen liegen in der eigenen Verantwortung.

Community-Add-on

Die Installation als Home-Assistant-Add-on ist praktisch, wird jedoch nicht offiziell vom evcc-Projekt unterstützt. Wer maximale Stabilität und bessere Diagnosemöglichkeiten möchte, sollte eine eigenständige Installation prüfen.

Für wen eignet sich evcc?

evcc ist besonders interessant, wenn Du:

  • bereits Home Assistant oder ein anderes Smart-Home-System verwendest,
  • einen eigenen Server (z.B. über einen Raspberry Pi) betreibst,
  • unterschiedliche Hersteller miteinander verbinden möchtest,
  • möglichst wenig von externen Cloud-Diensten abhängig sein willst,
  • einen dynamischen Stromtarif verwendest,
  • Elektroauto und Batteriespeicher gemeinsam optimieren möchtest,
  • bereit bist, Dich etwas mit der technischen Einrichtung zu beschäftigen.

Wann ist clever-PV die bessere Wahl?

clever-PV bleibt eine gute Lösung für Nutzer, die:

  • kein Home Assistant verwenden,
  • keinen eigenen Server betreiben möchten,
  • eine möglichst einfache Einrichtung bevorzugen,
  • sich nicht mit APIs und lokalen Netzwerken beschäftigen wollen,
  • einen betreuten Cloud-Dienst bevorzugen.

clever-PV bietet ebenfalls herstellerübergreifendes Energiemanagement, PV-Überschussladen, Batteriepriorisierung und dynamische Preissteuerung. Die Entscheidung zwischen den beiden Lösungen ist daher vor allem eine Frage des gewünschten technischen Ansatzes.

Mein Fazit

Meine Aussage aus dem früheren Video muss ich korrigieren: Es gibt sehr wohl eine leistungsfähige Alternative zu clever-PV, die sich ausgezeichnet mit Home Assistant kombinieren lässt.

Für mein eigenes System ist evcc die bessere Lösung. Die Software läuft lokal, reagiert schnell, unterstützt sehr viele Geräte und bietet umfangreiche Möglichkeiten zur Steuerung von Elektroauto, PV-Anlage, dynamischem Stromtarif und Batteriespeicher.

Wer Home Assistant bereits im Einsatz hat, sollte sich evcc jedenfalls genauer ansehen.

Wer dagegen eine möglichst unkomplizierte Lösung sucht und sich nicht mit der restlichen Hausautomatisierung beschäftigen möchte, ist mit clever-PV weiterhin gut bedient. Dafür muss man allerdings einen laufenden Cloud-Dienst akzeptieren.

Die Entscheidung lautet daher nicht einfach „gut oder schlecht“, sondern:

Maximale Integration und lokaler Betrieb mit evcc – oder möglichst einfache Einrichtung mit clever-PV.


Häufig gestellte Fragen zu evcc

Benötigt evcc eine Cloud?

Nein. evcc kann vollständig lokal auf einem Raspberry Pi oder ähnlichem betrieben werden. Einzelne Fahrzeug- oder Herstellerintegrationen können allerdings weiterhin von den jeweiligen Hersteller-Clouds abhängig sein.

Funktioniert evcc mit Home Assistant?

Ja. evcc kann Daten aus Home Assistant verwenden und seine eigenen Werte und Funktionen über eine Integration, MQTT oder die REST-API in Home Assistant bereitstellen.

Kann evcc mit dynamischen Stromtarifen laden?

Ja. Die Software kann feste, zeitabhängige und dynamische Tarife berücksichtigen und geplante Ladevorgänge in günstige Zeitfenster verschieben.

Kann evcc den Batteriespeicher priorisieren?

Ja. Es können Mindestladestände und Prioritäten für Batteriespeicher und Elektroauto definiert werden. Die verfügbaren Funktionen hängen vom jeweiligen Batteriesystem und dessen Schnittstelle ab.

Ist evcc kostenlos?

Der Quellcode ist offen verfügbar. Für viele kommerzielle Wallboxen wird jedoch ein Sponsortoken benötigt. Dieses ist derzeit über monatliches Sponsoring oder eine einmalige Zahlung erhältlich.

Ist clever-PV einfacher als evcc?

In der Regel ja. clever-PV richtet sich stärker an Nutzer, die eine vorkonfigurierte Cloudlösung suchen. evcc bietet mehr lokale Integrationsmöglichkeiten, erfordert dafür aber mehr technisches Verständnis.

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